Pearl Spring Super GM in Nanjing (China)

10. bis 22.12.2008
Teilnehmer:

Veselin Topalov g BUL 2791; Vassily Ivanchuk g UKR 2786; Levon Aronian g ARM 2757; Movsesian Sergei g 2732 SVK; Peter Svidler g 2727; Bu Xiangzhi g CHN 2714  Eloschnit: 2751.6

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Kommentare

Levon Aronian hat einen offenen Brief gegen die Fide geschrieben.
Der Text ist aus meiner Sicht diplomatisch und verhandlungstechnisch absolut gelungen.
Hut ab vor Levon, dass er das schreibt, was viele andere Spitzenspieler denken!!! RESPEKT! Und das schreibe ich nicht, weil ich mit ihm persönlich befreundet bin.

Der Brief ist auf Englisch, ich poste mal hier die deutsche Übersetzung:
____________________________

Offener Brief an Präsident Iljumshinov und den Vorstand der FIDE

Nach den jüngsten Ereignissen rund um den FIDE-GrandPrix und den Beschluss der Generalversammlung, den laufenden WM-Zyklus abzuändern, fühle ich als Teilnehmer und als ein führender Schachspieler mich verpfichtet, meine Enttäuschung zum Ausdruck zu bringen. Ich muss Sie bitten, die jüngsten Beschlüsse der Generalversammlung und die Abläufe, zu denen diese führen, kritisch zu betrachten und zu hinterfragen. Ich muss betonen, dass ich nicht auf Skandale aus bin und keinen unnötigen Streit suche; aber ich halte es für meine Pflicht, als Sprecher der Spieler aufzutreten.

Erstens ist der Beschluss, den WM-Zyklus zu diesem Zeitpunkt abzuändern, nicht im Sinne eines fairen Wettbewerbs. Wir können eine Parallele zu dem folgenden Beispiel ziehen: Die Regeln vor Beginn eines Wettlaufs setzen fest, dass es ein Marathon über 42 km ist, und während die Läufer unterwegs sind und schon 20 km gelaufen sind, werden plötzlich die Regeln geändert und die Strecke auf 80 km verlängert. Dadurch verlieren die Läufer ihre Motivation, weiter zu laufen, und haben folglich kein Vertrauen mehr zu den Leuten, die die Regeln festsetzen. Das kann man mit der Situation vergleichen, in der die GrandPrix-Teilnehmer sich wiederfinden, falls der Beschluss der Generalversammlung bestätigt wird.

Nachdem der WM-Zyklus viele Jahre lang hart kritisiert wurde, hat die FIDE schließlich ein vielversprechendes neues System eingeführt, nur um sich jetzt einer neuen Welle der Kritik auszusetzen. Als der ursprüngliche WM-Zyklus beschlossen wurde und das GrandPrix-System geschaffen wurde, in dem Spieler sich legitim für eine Chance qualifizieren können, den Weltmeister herauszufordern, glaubten wir, dass es endlich ein faires und verlässliches System gibt (das auch von meinem Verband unterstützt wurde).

Nach den jüngsten Beschlüssen der Generalversammlung scheint es, dass in der FIDE ein Mangel an Demokratie herrscht. Die Generalversammlung hat bei ihrer Entscheidungsfindung nicht nach der Meinung der Spieler gefragt, die derzeit am GrandPrix teilnehmen. Bitte bedenken Sie einen höchst wichtigen Punkt: Diese Spieler, darunter auch ich, haben einen bindenden Vertrag mit der FIDE in Bezug auf den WM-Zyklus und den GrandPrix. Es ist daher die Pflicht der FIDE, ihre Vertragspartner zu konsultieren, nämlich die Spieler.

Heißt das, dass die Schachspieler weniger Rechte haben als andere? Die Generalversammlung entscheidet offenbar ohne Rücksicht auf die Spieler. Der Beschluss, den WM-Zyklus abzuändern, hat schädliche Auswirkungen für die Karriere-Planung führender Schachspieler. Man kann sich vernünftigerweise fragen: Warum sollten wir mehrere Turniere im Verlauf von mehreren Jahren spielen und dort um einen Platz in einem Turnier kämpfen, den ein anderen Spieler dafür bekommt, dass er ein Match verliert? Der Beschluss der Generalversammlung nimmt Spielern wie mir die Motivation, am WM-Zyklus teilzunehmen.

Es sei darauf hingewiesen, dass die von FIDE-Vizepräsident Mastrokoukos vorbegrachte Begründung, der WM-Zyklus werde geändert, weil zwei Turniere des GrandPrix unerwartet abgesagt wurden, nicht überzeugt und nicht in Einklang mit der Realität ist - denn die FIDE hat als Ersatz bereits ein GrandPrix-Turnier in Eriwan angekündigt. Es ist klar, dass die Absage von Doha und Montreux das System nicht gefährden, so wie Herr Mastrokoukos es in seinem Brief an Herrn Carlsen darstellte.

Es scheint, dass die FIDE auf dem ríchtigen Weg zu einem verlässlichen WM-Zyklus war, der von führenden Spielern und Schachverbänden weltweit unterstützt wurde. Doch mit den jüngsten Beschlüssen der Generalversammlung hat die FIDE den richtigen Weg verlassen und wird in den Augen der Schachspieler weltweit ihre Glaubwürdigkeit verlieren; ganz abgesehen davon, dass sie damit ihre Bemühungen ruiniert, vom Internationalen Olympischen Komittee als Sport anerkannt zu werden. Ich hoffe, dass die obigen Argumente berücksichtigt werden, bevor die Beschlüsse der Generalverammlung bestätigt werden.

Mit freundlichen Grüßen,
Levon Aronian
Frankfurt am Main
6. Dezember 2008

Bravo Levon!!!
Zeigs den undemokratischen A….löchern,die es leider in der Fide auch gibt,genauso wie im richtigen Leben in der Politik,
bei den grossen Konzernen,Stromanbietern und Kriegstreibern
usw.!
Ein Glück das es auch viele vernüntige Menschen auf der Welt gibt, die sich leider viel zu selten gegen die sozialen Ungerechtigkeiten auf unserem gemeinsamen Planeten zur Wehr setzen!!

Grüsse Pete

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