Bernd Schippan im Endspurt zum Ruhrgebietsmeister

Alles reine Nervensache!
 
Liebe Vereinskollegen, 
 
die Offene Ruhrgebietsmeisterschaft für Senioren firmierte in diesem Jahr zum zweiten Mal unter ‘Willi-Knebel-Gedenkturnier’; zur Erinnerung an das Katernberger Urgestein Willi Knebel, den bekannten Schiedsrichter und Regelpapst des Deutschen Schachbundes.
 
Es handelt sich um ein 9-Runden-Turnier, allerdings ausgetragen über drei Wochen, denn es wird nur jeweils von Montags bis Mittwochs gespielt. Es gingen 45 Senioren an den Start und viel mehr hätten es auch aufgrund der zwar angenehmen, doch räumlich begrenzten Spielstätte, einem Gemeindezentrum der kath. Kirche, nicht sein dürfen.


Foto: Heinz Jürgen Losch

Eine besondere Note erhielt das Turnier durch die Teilnahme des früheren Weltklasse-Spielers Abram Khasin. Ich habe diesen Begriff ganz bewusst gewählt, denn er hat zu seiner Zeit mit allen russischen Schachgrößen die Klingen gekreuzt, von Boleslavsky bis Tal, von Bronstein bis Spassky, und weiß Gott, dies nicht als Kanonenfutter. Wer Interesse hat, der kann sich selbst ein Bild dieses Spielers machen - z.B. im Internet oder einer Mega-Datenbank. Er begann das Turnier sehr stark, musste dann aber seiner angegriffenen Gesundheit, mehr noch seinem hohen Alter - Khasin ist bereits 86 Jahre - Tribut zollen. Es hat mich sehr gefreut, solch einen Mann noch am Brett zu sehen.
 
Und ich? Ja, ich war Rating-Erster, Titelverteidiger und stolzer Top-Favorit. Mein Traumstart konnte somit niemanden überraschen. In den ersten drei Runden betrug der DWZ-Schnitt meiner Gegner 1766. Wenn man sich nur an den nackten Zahlen orientiert, war die Differenz zwischen ihnen und mir größer als die Differenz zwischen Anand und mir. Kein Wunder also, dass ich aus diesen drei Partien stolze 1,5 Punkte holte und ich mich auf direktem Weg an das Tabellenende befand.
 
In dieser Situation ist der Turniermodus eine ganz besondere Feinheit, denn man hat jetzt volle vier Tage Zeit, sich zu grämen, Zeit zur Selbstkasteiung und Zeit, sich von der Ehefrau mit leicht ironischem Unterton bemitleiden zu lassen. Zum Glück habe ich Letzteres ignoriert und den Rest schön bleiben lassen. Ich war einfach nur wütend. Danach habe ich in einer Mischung aus Größenwahn, Spaß und Kampfgeist verkündet, dass jetzt nur noch 6 aus 6 helfen. Und siehe da, es wurden 6 aus 6, und ich konnte das Turnier mit einem Punkt Vorsprung gewinnen.
 
Allerdings, das mit Abstand beste Schach spielte der aktuelle Deutsche Seniorenmeister Erich Krüger, der nach 7 Runden mit 6,5 Punkten souverän führte. In einer unglaublich fehlerhaften, aber aufregenden Partie verschoss er gegen mich gefühlte zehn Elfmeter - Fritz bewertet seine Stellung über mehrere Züge zwischen +2 und +3 - um schlussendlich völlig fehl zu greifen. Danach tat er mir dann noch den Gefallen, sich von Manfred Achenbach in der letzten Runden Matt setzen zu lassen, während ich Willy Rosen besiegen konnte. Nicht zu fassen.
 
Zusammenfassend könnte ich jetzt noch Weisheiten verbreiten wie ‘gib niemals auf, niemals’ oder ‘lass den Kopf nicht hängen’ usw. usw. Lassen wir das. Fest steht nach diesem Turnier für mich Folgendes: Schach ist nicht nur gute Vorbereitung, exakte Variantenberechnung, Endspieltechnik usw., es hat auch mit Kampfkraft, Selbstbewusstsein, einen Lauf zu haben, guten Nerven und (leider) auch Schlitzohrigkeit zu tun. Alles eigentlich außerschachliche Dinge, die aber eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Glück kann man am Brett zwar nicht erzwingen, aber man kann etwas dafür tun. Manchmal klappt es. Siehe dieses Turnier. 
 
Gruß von Bernhard

Mehr auf der Seite der Sportfreunde Katerneberg

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, dann nehmen Sie sich bitte die Zeit, um einen Kommentar zu schreiben. Das Web-Team des SK Herne-Sodingen freut sich über jede Reaktion. Sie können auch hier einen RSS-Feed per Mail abbonieren.

Kommentare

Glückwunsch Bernhard!!!

Herzlichen Glückwunsch!

Lieber Bernhard,
herzlichen Glückwunsch zu Deinem Sieg. Wieder ein toller
Erfolg.

Die Castroper gratulieren ganz herzlich.

Lieber Bernhard!
Vielen Dank für diesen schönen Bericht!!!
Du weisst doch der gute Spieler hat meistens Glück.
Ich schätze Du hast bestimmt verdient gewonnen??!!
Man muss erst mal 6 aus 6 machen.
Meinen Glückwunsch allein schon dazu.
Im übrigen freue ich mich auch schon darauf,bald dieses Turnier mitspielen zu können. Ich befinde mich bereits in
54-zigsten Lebensjahr.
Ab wann darf man dort mitmachen ?

Auch ich möchte mich den Glückwünschen anschließen. Tolle Leistung!
Einmal Sex würde mir schon reichen :-)

Franz, wie war denn noch Dein Spruch mit dem Schach-Ticker?
Lach!

Hinterlasse einen Kommentar

(erforderlich)

(erforderlich - wird nicht veröffentlicht)