Interview: Jenny Leveikina bei der “Deutschen”

Jenny nimmt ab 25. Mai an der Deutschen Meisterschaft der Frauen teil

An der Deutschen Frauen Schach-Einzelmeisterschaft, die vom 25. Mai bis zum 4. Juni 2011 in Bonn zusammen mit der Meisterschaft der Herren ausgetragen wird, nimmt seitens des SK Herne-Sodingen Jenny Leveikina teil.

Es ist nicht ihre erste Teilnahme an einer Deutschen Einzelmeisterschaft. Schon 2009 spielte Jenny mit und erreichte einen glänzenden zweiten Platz. Und trotzdem, dieses Turnier ist immer etwas Besonderes. Nicht nur für sie als Teilnehmerin, sondern auch für unseren Verein. Alle Mitglieder werden ihr die Daumen drücken und mitfiebern, ob sie an ihre Leistung von 2009 anknüpfen kann.

Im Vorfeld der Meisterschaft sprach Webmaster Georg Waldschmidt mit der DM-Teilnehmerin:

Georg: Jenny, Du bist seit 4 Jahren erfolgreich im SKS aktiv. Wo und von wem hast du das Schachspielen erlernt und wie verlief danach deine Schachlaufbahn?

Jenny: Gelernt habe ich das Schach noch in der Grundschule in Lettland. Da ist Schach Volkssport und jedes Kind erlernt zu mindestens die Grundregeln. In der 2. Klasse musste ich mich für ein Fach entscheiden, das ich im Rahmen des Sportunterrichts für die nächsten 4 Jahre machen werde. Da ich nicht besonders sportlich war und beim Schwimmen bzw. Laufen von Klassenkameraden ausgelacht wurde, blieb mir nichts anderes übrig als Schach (lacht). Besonders viel Lust darauf hatte ich zunächst nicht. Fand das Spiel eher langweilig. Jedoch waren meine Ergebnisse bei den Grundschulturnieren gut - was eine gute Note im Fach Sport bedeutete. Eines Tages passierte folgendes: Es kamen Nationaltrainer in die Schule, da ein Mädchenbrett in der U10-Auswahl benötigt wurde. Die Wahl fiel auf mich. So begann eigentlich meine Schachkarriere: Ich besuchte die legendäre "Russische Schachschule" für 3 Jahre.

Nach nationalen Erfolgen in U10 und U12 folgte das "internationale" Desaster. Wenn mir auch in Lettland in der Altersgruppe U10 und U12 keine das Wasser reichen konnte, erlebte ich in einem gesamtsowjetischen Turnier mit Russinnen, Ukrainerinnen, Litauerinnen usw. ein Desaster. Ich wurde regelrecht abgeschlachtet. Danach war mir die Lust auf Schach vergangen. Zum Glück musste ich von der Schule aus nicht mehr spielen. Außerdem kamen altersbedingt andere Interessen dazu (lacht). Ich habe aufgehört und ich dachte, für immer. Ich bin dann nach Deutschland ausgewandert und irgendwann, mit 19 und durch Zufall habe ich wieder mit dem Schach angefangen. 1999 trat ich in den SK RE-Altstadt 06 ein. Jetzt, seit 2007, spiele ich für den SK Herne-Sodingen.

Georg: Spielst Du lieber Open oder Rundenturniere?

Jenny: Auf jeden Fall Open, da ich kein Vorbereitungstier bin (lacht). Aber ehrlich gesagt, spiele ich solche Turniere selten. Viel zu anstrengend - jeden Tag eine Partie. Lieber nehme ich an unseren Stadt- und Bezirksmeisterschaften teil, wo man eine Partie pro Woche spielt und nicht mehrere hintereinander. In den letzten Jahren habe ich wenig außerhalb gespielt, halt nur die offiziellen Veranstaltungen und Mannschaftskämpfe.

Georg: Was war bislang Dein größter sportlicher Erfolg im Schach und worauf bist Du besonders stolz?

Jenny: Gute Frage. Im Frauenschach war der 2. Platz bei der Deutschen Meisterschaft 2009 mein größter Erfolg. Ich war an 10 gesetzt und konnte gegen Titelträgerinnen 2.5 Punkte aus 4 Partien einfahren. Mein letzter Erfolg ist der Sieg bei der offenen Herner Stadtmeisterschaft 2011.

Allerdings bin ich besonders stolz, auf die Tafel der Sieger in unserem Verein gekommen zu sein - und werde am Freitag den Blitzmeistertitel verteidigen (lacht).

Georg: Wie Du erwähntest hast Du 2009 schon einmal an einer Deutschen Einzelmeisterschaft teilgenommen und mit dem zweiten Platz ein Superergebnis erreicht. Wie siehst Du deine Aussichten in diesem Jahr und wer gehört für Dich zum Favoritenkreis?

Jenny: Ganz klare Favoritin ist für mich die erst 15 jährige Hanna Marie Klek. Sie wird von DSB gefördert, von einem Großmeister trainiert usw. Ihre Erfolge im Jugendschach sind beeindruckend. Ich glaube, die hat sogar bei den Jungs mitgespielt und sehr gut abgeschnitten. Eine kleine Judith Polgar halt.

Meine Aussichten: Ein Traum wäre natürlich, besser abzuschneiden als bei der Meisterschaft davor (lacht). Doch realistisch gesehen möchte ich mindestens meinen Setzlistenplatz bestätigen.

Georg: Bereitest Du dich speziell auf die Meisterschaft bzw. auf die Teilnehmerinnen vor?

Jenny: Nein!

Georg: Wir haben natürlich recherchiert und festgestellt, dass im Jahre 1958 schon einmal eine Spielerin aus Sodingen an einer Deutschen Meisterschaft teilgenommen hat. Es war Frau Emma Riedel, die damals Platz 11 belegte.

Der Bericht ist natürlich ein Dokument der damaligen Zeit und zeigt deutlich die sportliche Stellung des “Damenschachs“ in der Männerschachwelt. Wie siehst Du das Frauenschach heute?

Jenny: Es spielen leider viel zu wenig Frauen. Vielleicht ist deswegen ist der Stellenwert nicht so hoch. Die Frauenturniere laufen meist nur nebenbei. Ich hoffe, diesmal wird der Deutschen Meisterschaft mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Es ist eine gute Idee, dieses Jahr die Frauenmeisterschaft zusammen mit der allgemeinen Deutschen Meisterschaft auszutragen.

Georg: Welche Partie würdest Du als Deine beste bezeichnen?

Jenny: Deine Frage nach der besten Partie, ist schwer zu beantworten. Nehmen wir aber mal diese gegen FM Regina Berglitz. Ausnahmsweise eine halbwegs vernünftige Angriffspartie.

Georg: Danke für das Interview. Auch im Namen des gesamten Vereins wünsche ich Dir viel Erfolg!

 

Hier die erwähnte Partie gegen FM Regina Berglitz:

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Kommentare

Hallo Jenny und Georg,
eine supergute Idee mit dem Interview. So kann man wenigstens ein wenig hinter die Kulissen schauen und lernt die interviewte Person etwas besser kennen - und Jenny drücke ich selbstverständlich die Daumen für die DM.
LG Werner

Danke Werner. Das Lob muß ich aber an Helmut weitergeben, der fast alles vorbereitet hat. Die Arbeitsteilung für diese Webseite ist recht einfach erklärt: Von Helmut kommen die guten Ideen, von mir die Rechtschreibfehler.

Hallo Schachfreunde!

Super Interview!!!

Viel Erfolg bei der Deutschen wünsche ich Jenny!!!!!!

Ich bin begeistert von so einem guten Interview !
Dank an Jenny, Georg und Helmut !

Hallo,

ein schöner und interessanter Bericht.

Ich wünsche Jenny viel Glück und ein gutes Ergebnis.

Michael

Hallo Jenny!

Viel Glück bei der “Deutschen Meisterschaft” Eine wirklich gute Idee dieses Interview :-)

Gruß
Franz

Hallo Jenny,
die gesamte zweite Mannschaft wird mitfiebern. Wir hoffen, dass es dir gelingt, in den kritischen Phasen der Partien die richtige Entscheidung zu treffen.
Wir drücken dir ganz fest die Daumen.
Liebe Grüße. Werner

Hallo Jenny,

ich wünsche dir viel Erfolg!

Das Interview war nicht nur gut in der Idee, sondern auch in der Ausführung ;D

grüße
Thomas

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