25. Sommerschachturnier im Dietrich-Keuning-Haus in Dortmund

Liebe Vereinskollegen/Innen,

Am 17. August begann das 25. Sommerschachturnier im Dietrich-Keuning-Haus in Dortmund. Als Titelverteidiger angereist, waren meine Ziele natürlich hoch gesteckt. Im letzten Jahr erreichte ich nach einem Remis in Runde 1 und sechs folgenden Siegen 6 ½ aus 7. Für dieses Jahr waren mindestens 6 aus 7 geplant, aber dafür mit meinem neu aufgebauten Repertoire. Vor allem von meinem schönen gepflegten 1.d4 habe ich mir viel versprochen.

Doch nun erst einmal eins nach dem anderen. Nominell stärkster Spieler war Jens Zelt mit einer DWZ von 1982. Ich startete an Position Nummer 3. Das Turnier wurde zwar im Schweizer-System gespielt, aber in der Variante „Gruppenmodus“. In diesem System spielten die 22 DWZ stärksten Spieler in den ersten drei Runden ein eigenes Turnier. In den Runden 4 und 5 spielten diese dann gegen die Erfolgreichsten 22 Spieler des Hauptfeldes. Die letzten beiden Runden wurden dann klassisch ausgelost.

Von der Titelverteidigung war ich also noch weit entfernt und schon in Runde 1 erwartete mich mit Thomas Simon (1868) der erste harte Brocken. In der eigentlich sehr konzentriert gespielten Partie opferte er im 14. Zug einen Bauern um einige Tempi zu gewinnen. Die Stellung war interessant und es bahnte sich eine spannende und komplizierte Partie an. Als mein Gegner jedoch einen Zug später seinen Läufer einstellte, war mir die Erleichterung, den Kampf nicht ausfechten zu müssen, ins Gesicht geschrieben. Wenige Züge später hieß es dann 1-0 für mich.

Zwar startete ich nur mit einem halben Punkt mehr als im letzten Jahr, doch ein anderes Problem begann sich ab Runde zwei abzuzeichnen: Der Wunsch nichts riskieren zu wollen. Doch wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Und ich stand genau in Mitten dieser beiden Fronten. Nichts riskieren, da jede Niederlage das Aus bedeuten kann und viel riskieren um Gewinnmöglichkeiten zu erspielen. Dieser innere Disput zeigte sich in einer für mich ungewohnt schwierigen Entscheidungsfindung bei jedem einzelnen Zug.

Runde zwei lautete Sebastian Wloka (1899) gegen Stefan Wickenfeld. Eine Paarung, welche vielleicht auch am 27.02.2011 stattfinden kann, da er am 6. Brett in der Verbandsliga für Eichlinghofen spielt. Die Partie war zunächst recht ereignislos und das einzig bemerkenswerte blieb bis zum 15. Zug der Zeitverbrauch diese Stellung zu erreichen. Überraschenderweise nahm die Partie dank einiger kleiner taktischer Finessen ein schönes und schnelles Ende zu meinen Gunsten.

Ivan Mančić (1936) das war der Name meines nächsten Gegners, welcher meine Titelverteidigung vereiteln wollte. Mit dem Ziel keine unnötigen Komplikationen herauf zubeschwören wies ich jede unklare Variante bis zum 10. Zuge ab, so dass ich in einer sehr passiven Stellung gelandet bin. Als er ein sehr interessantes Qualitätsopfer brachte und ich die Qualität zurück opferte entstand dann doch noch eine sehr dynamische und unklare Stellung auf dem Brett. Mit wenigen Minuten für uns beide auf der Uhr mussten wir die letzten 10 Züge spielen. Nachdem er in Zeitnot den Gewinn verpasste, verschenkte ich den Sieg und wir landeten nach dem 40. Zug in einem ungleich farbigen Läuferendspiel. Remis.

Bisher ging alles gut, sagte jemand, der im 5. Stock aus dem Fenster fiel, als er am 2. Stock vorbei kam. In Runde vier musste ich mit Schwarz gegen Joachim Sonntag (1795) ans Brett. Wie so oft sagen Zahlen nichts über den Partieverlauf aus. Eine weitere grauenvolle Partie in meiner Turnierkarriere. Viel möchte ich zu dieser Partie eigentlich nicht sagen. Vielleicht, dass Schwarz ein erstaunliches Gespür für schlechte Züge hat. Ein Talent, auf welches ich lieber verzichtet hätte. Wie auch immer, an diesem Tag war Joachim mir einfach überlegen und deswegen nochmals von hier aus: Gratulation!

Die Titelambitionen konnte ich also begraben und bin unsanft im Erdgeschoss gelandet, aber, und das sollte man nie vergessen, Schach ist nur ein Spiel und beim Spiel eines Spiels geht es nur um Spaß. Nach dem Motto: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.“, habe ich das gerade noch als „schönes gepflegtes 1. d4“ gelobte ad acta gelegt und stieg in meine Partie gegen den Waltroper Wilfried Krolik (1528) auf ein kräftiges 1. e4 um. Männerschach; schön flott nach vorne, ohne jegliches lahmes positionelles Hin- und Hergeschiebe, war das Ziel. Zwar ohne Mattspektakel, aber innerhalb von 20 Zügen konnte ich den vollen Punkt verbuchen. Von Problemen in der Entscheidungsfindung konnte bei mir auch in den letzten drei Runden nicht mehr die Rede sein. Für die ersten 20 Züge verbrauchte ich jeweils nicht mehr als 15 Minuten.

In Runde 6 ging es für mich um Revanche. Spielte ich zwar noch nie gegen Romano Reschop (1603), bezwang er jedoch in Runde eins meinen Vater. Die Revanche sollte schnell glücken. Er wählte einen nicht wirklich vertrauenserweckenden Aufbau in der Naidorf-Variante mit Weiß und geriet schnell in Nachteil. Auch diese Partie spielte ich in einem ganz anderen Guss.

Der Druck, den Titel verteidigen zu wollen, schadete mir letztendlich nur. Dies sieht man vor allem an dem befreiten Spiel der letzten Runden. Gegen den Vietnamesen Anh Son Phung gelang mir dann in der Schlussrunde noch einmal eine Glanzpartie. Wie auch im letzten Jahr kam in Runde sieben ein Vorstoßfranzose aufs Brett. Dieses Jahr war das eine Musterpartie mit vielen klassischen Weißen Plänen und bis ins Endspiel wirkte sie wie eine Einheit. Es passiert mir selten, dass ich Partien spiele, in denen alle Züge – vom Ersten bis zum Letzen – wie die Glieder einer Kette erscheinen.

Insgesamt bin ich mit 5 ½ aus 7 zufrieden und froh, dass ich in den letzten beiden Ferienwochen Spaß gehabt habe. Es ist jedes Jahr ein wirklich schönes Turnier in Dortmund. Sieger wurde mit 6 aus 7 und einer Buchholz von 29.0 Punkten Jens Zelt mit einem halben Buchholzpunkt Vorsprung auf Joachim Sonntag. Meine Wenigkeit wurde geteilter Dritter mit Ivan Mančić. Wir beide haben auch mit 29.0 Punkten dieselbe Buchholz. Da die Siegerehrung zu diesem Turnier erst nach dem gestrigen Schnellschachturnier stattfand und Ivan leider nicht vor Ort war, bekam ich den Pokal für den dritten Platz und musste bedauerlicherweise auf ein Amagedon-Blitz oder Armdrücken verzichten. In letzterer Disziplin hätte ich zweifelsohne verloren.

Am Jubiläumsschnellschachturnier des SV Eichlinghofen 1935 nahmen Christopher Graw (5 ½ / 9), Thomas Hartmann (3 / 9), Stefan Wickenfeld (6 / 9) und Thomas Sikorski, der mit einer starken Leistung einen Preis U 1700 erzielt hat, teil.

 Euer Stefan          Schnellschachergebnisse

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Kommentare

Hallo Stefan,
danke für Deinen tollen und mehr als ausführlichen Bericht. Zu einem guten Abschneiden in einem solchen Open gehört auch ein wenig Glück. Trotzdem hast du bei Deiner DWZ um 12 Punkte zulegen können.
Das bei dem Schnellschachturnier 4 Sodinger mitgespielt haben freut mich sehr. Besonders gefreut hat es mich, dass Thomas einen Preis gewonnen hat. Auch Dein Abschneiden mit 6,5 aus 9 ist lobenswert. Christopher hat sicher mehr drauf und ein wenig Pech gehabt.
Gruß
Franz

Hallo, Stefan!
Da hast du einen schönen (gut zu lesenden) Bericht geschrieben. Auch 5,5 Punkte sind ein respektables Ergebnis und ganz ohen Glück wird niemand Sieger.
Alles Gute
Franz

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