Nachgetreten!

Liebe Vereinskollegen,

unser Web-Master vertritt ja durchgängig den Standpunkt, dass im Internet verbreitete Beiträge aktuell zu sein haben. Da sehe ich zwar ebenso, werde aber mit meinem Bericht über die Deutsche Meisterschaft der Senioren diesem Anspruch nicht gerecht. Mein Hotel wollte für einen relativ kurzen Internet-Auftritt EUR 8 kassieren, was ich mit Mühe hätte bezahlen können, doch war ich nicht bereit, derartigem Wucher Vorschub zu leisten.

Der Austragungsort, die geschichtsträchtige Stadt Erfurt, hat einiges an Sehenswürdigkeit zu bieten, wobei für mich der wunderschöne Dom das absolute Highlight ist. Die Altstadt ist sehr attraktiv und ein Magnet für unzählige Touristen. Eines Nachts – völlig nüchtern - fand ich lange Zeit mein Auto nicht und mußte feststellen, dass es auch sehr triste Gegenden gibt. Doch in welcher Stadt ist das nicht so.

Allerdings bin ich nicht als Tourist gefahren, sondern ich hatte ernsthafte Absichten auf den Titel. Als Nummer 3 der Setzliste und bester Deutscher war das nicht völlig unrealistisch. Erstens kommt es anders und zweitens …..

Der Start war gut und nährte Hoffnungen. Die Qualität der Partien war zwar nicht überragend, doch die Punktausbeute war es. Selbst nach einer Niederlage gegen den späteren Deutschen Seniorenmeister Erich Krüger, für mich immer ein schwieriger Gegner, gab es noch keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.

Dann aber kam der Russe Bogorad und vor allem, es kam eine Lehre für’s Leben. In den vielen Jahren Schach ist es mir nie gelungen, der Pflicht der Partienotation mit Disziplin und regelkonform nachzukommen. Ich schreibe häufig ganze Zugfolgen nach, und nicht selten fehlen mir Züge.

Mit 37 sec. auf der Uhr machte ich meinen Kontrollzug und sah mit Wohlgefallen auf meine total gewonnene Stellung. Ich hatte meine mit Abstand beste Partie in Erfurt gespielt. Meine Gegner hatte zwar nur 38 Züge notiert, mich sehr fair bereits vor Ablauf der Zeit auf die Differenz in unserer Notation hingewiesen, doch ich hatte ja meine 40 Züge auf dem Formular.

Tja, keine Ahnung warum, doch den 19. und 20. Zug hatte ich doppelt geschrieben. Er hatte Recht und ich verloren. Schockzustand, Paralyse.

In den beiden letzten Runden gelang es mir dann immerhin, Schadensbegrenzung zu betreiben. An dem Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit konnte das natürlich nicht mehr viel ändern.

Noch einige Worte zum Rahmen und Verlauf des Turniers. Die Thüringenhalle war der ideale Austragungsort, reichlich Platz für alle Teilnehmer – in der Gruppe A ca. 140, in der B-Gruppe ca. 50. Ein erstklassiges Verpflegungsangebot, mit Preisen, bei denen selbst Teilnehmer, die nicht auf Rosen gebettet sind, satt werden konnten. Allerdings, wie ich im nachhinein feststellen mußte, eine einzige Pleite der Auftritt im Internet. Immerhin, das MDR-Fernsehen kam für einen Tag. Von Seiten der Teilnehmer waren der Essener Willy Rosen und ich als Interview-Partner ausgesucht worden. Nachdem ich Stunden auf meinen großen Auftritt gewartet hatte, war meine Geduld zu Ende. Ab durch die Mitte. So endete meine einzige Chance, pseudo- prominent zu werden.

Schachlich wurde das Turniers weitgehend von den russischen Spielern dominiert. Nur dem Essener Krüger gelang es, beflügelt von seinem Erstrunden-Gewinn gegen den Seriensieger Rotstein, in diese Phalanx einzubrechen. Sehr tröstlich für mich. Er ist bereits im 76. Lebensjahr, und das macht mir Hoffnung für die kommenden Jahre.

 

Gruß Bernhard.

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